Das Kapital lesen 2013

Seit 2006 finden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Kurse statt. In wöchentlichen Treffen wird das Hauptwerk «Das Kapital» von Karl Marx gemeinsam diskutiert. TeamerInnen strukturieren die Sitzungen, die Teilnehmenden stellen die gelesenen Textabschnitte kurz vor. Externe TeamerInnen laden wir zu Wiederholungssitzungen ein (Michael Heinrich) oder zum Thema Leben und Werk Karl Marx’ (Rolf Hecker). Um die Kapital-Lektüre herum kreisen übers Jahr verteilt verschiedene «Satellitenseminare». Hier werden ausgewählte Probleme und Fragen zum Kapital und darüber hinaus vertieft: Warum ist der Fetischcharakter Marx so wichtig? Was ist daran besonders? Ist die marxsche Geldtheorie noch aktuell? Warum bringt jede Welle erneuter Marx-Lektüre seine eigene Einführungsliteratur hervor? War Marx auf dem feministischen Auge blind?

Mehr Informationen: Das Kapital lesen – Berlin.

29. Mai 2013
Der Fetisch: von Geheimnissen, okkulten Qualitäten und Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise.
Die marxsche Kapitalismusanalyse ist nicht nur mit Mehrwertproduktion und Ausbeutung befasst, sondern auch mit dem Fetisch, dessen erste Gestalt bereits zu Beginn des Kapitals behandelt wird. Die Fetischformen erzeugen zwar eine Welt des Scheins, doch sind sie zugleich harte Realität und nicht etwa nur «falsches Bewusstsein». Auch beschränkt sich der Fetischismus keineswegs auf die Ware. Die Analyse von Fetischformen und Mystifikationen durchzieht alle drei Bände des Kapitals. Sie kulminiert in der Untersuchung der «Trinitarischen Formel», mit der Marx die «verzauberte, verkehrte und auf den Kopf gestellte Welt» des kapitalistischen Alltags auf den kritischen Begriff bringt.

25. Juni 2013
Wie Marx mit der Europäischen Zentralbank klarkommt.
Wer im ersten Band des marxschen Kapitals im dritten Kapitel angelangt ist, in dem es um das Geld und die Geldfunktionen geht, stellt sich unweigerlich die Frage: Marx setzt ständig voraus, dass Gold die Rolle des Geldes übernimmt. Ist das heute immer noch so? Wenn nicht: Bricht Marx‘ Argumentation an diesem Punkt nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammen? Schließlich ist die Geldware ein wichtiger Unterschied zu Neoklassik und keynesscher Theorie. Sie haben kein Problem damit, dass seit Jahrzehnten kein Goldwährungssystem mehr herrscht. Aber: Zeigt nicht der in der Krise gestiegene Goldpreis grade, dass Marx eben doch recht hatte? Liefert Marx‘ Werttheorie nicht doch eine adäquate Geldtheorie, die mit der Europäischen Zentralbank ebenso klarkommt wie mit anderen modernen Phänomenen – nicht nur in der Krise?

08. Oktober 2013
Wenn Klassiker old school werden. Kurze Geschichte der Einführungsliteratur in Marx.
Jede Generation der Marx-Lektüre hat ihre eigene Einführungsliteratur. Eine Einführung in Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie ist immer schon eine Interpretation des Originals, eine bestimmte Lesart und eine Verdichtung des politisch-theoretischen Kontexts, in dem Marx jeweils rezipiert wurde. Das Kapital wird also immer neu gelesen – und anders.
Warum? Welche Debatten, Auseinandersetzungen und Fragen bringen sie in spezifischer Form zum Ausdruck?
Die ersten beiden Generationen der Arbeiterbewegung stützen sich auf «Karl Marx‘ ökonomische Lehre» von Karl Kautsky. Mit dem Fordismus und der Spaltung in eine sozialdemokratische und kommunistische Arbeiterbewegung waren die Essentials von Marx‘ Ökonomiekritik aber nicht mehr unter einen Hut zu bringen. Es folgte etwa das von Nikolai Bucharin herausgegebene Lehrbuch, mit dem sich Antonio Gramsci intensiv auseinandersetzte und Kriterien für oppositionelles Wissen formulierte. Mit Paul M. Sweezy Buch »Theorie der kapitalistischen Entwicklung» (1942) lag schließlich eine Art marxistische Makroökonomie vor und erlangte damit auch Anerkennung in den Wirtschaftswissenschaften. Welche Anforderungen hat aber die Generation des Finanzmarktkapitalismus, des iPhones und der Praktika?

12. November 2013
Kritik der politischen Ökonomie – Feministisch gelesen.
Was kann die marxsche Kritik der politischen Ökonomie zur Analyse der Geschlechterverhältnisse beitragen? Interessant ist nicht so sehr, was Marx selbst dazu geschrieben hat. Denn Marx analysiert die Strukturen der kapitalistischen Produktionsweise auf einer Abstraktionsebene, die Aussagen über Geschlechterverhältnisse nicht möglich macht. Sieht man diese (notwendige) Grenze der marxschen Analyse, dann lassen sich Anschlüsse zu einer queer/feministischen Perspektive eröffnen.

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